Queere Orte und Persönlichkeiten, von Berlin bis Paris
Eine Karte in Worten: wo die wichtigen Orte in Berlin und Paris liegen und wer die Menschen sind, die diese Geschichte gemacht haben. Die Liste ist bewusst kurz; sie wächst mit Euren Vorschlägen. Für die Daten siehe die Chronologie Frankreich / Deutschland.
Geografie: Berlin
- Schöneberg, rund um den Nollendorfplatz: der „Regenbogenkiez“ (Nollendorfkiez), oft als ältestes queeres Viertel Deutschlands bezeichnet, zwischen Fuggerstraße, Motzstraße und Maaßenstraße. Hier findet jeden Sommer das Stadtfest statt. In den 1920er Jahren beherbergte die benachbarte Bülowstraße lesbische Lokale wie das Dorian Gray (Nr. 57).
- Kreuzberg: das SO36 (Oranienstraße 190), Wiege der Gayhane-Party, das Theater BKA (Mehringdamm 34) und das Schwule Museum, 1985 in Kreuzberg eröffnet.
- Tiergarten: das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen (Ebertstraße), ein Betonblock mit einem kleinen Fenster, in dem man eine Liebesszene zwischen zwei Männern sieht; die Tafel mit dem „rosa Winkel“ im U-Bahnhof Nollendorfplatz gehört dazu.
- Prenzlauer Berg: das Tuntenhaus in der Kastanienallee 86, das älteste queere Wohnprojekt Berlins, seit 1990 besetzt.
- Mitte: die Ausstellung „Berlin Global“ im Humboldt Forum zeigt Leben und Werk von Magnus Hirschfeld.
Geografie: Paris
- Le Marais: das wichtigste schwule Viertel von Paris, rund um den 3. und 4. Arrondissement.
- Pigalle und Montmartre: queere Treffpunkte seit Anfang des 20. Jahrhunderts; das lesbische Cabaret Chez Moune eröffnet dort 1936.
- Saint-Germain-des-Prés: in den 1950er Jahren zum Treffpunkt geworden.
- Die Route des Marsches vom 4. April 1981: von Maubert nach Beaubourg, mehr als 10 000 Personen.
Orte in Berlin, die einen Abstecher wert sind
- Eisenherz Buchladen (Motzstraße 23): queere Buchhandlung, 1978 gegründet; die Idee des Teddy Award der Berlinale (seit 1992) kam von dort.
- Heile Welt (Motzstraße 5), Restaurant Elefant (Fuggerstraße 18): Adressen im Kiez.
- Schwules Museum: Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen.
- Magazin Siegessäule (seit 1984): das große queere Magazin der Stadt, an mehr als 500 Stellen ausgelegt.
Persönlichkeiten in Berlin
- Magnus Hirschfeld (1868–1935): Arzt, Gründer des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (1897) und des Instituts für Sexualwissenschaft (1919), im Exil in Nizza gestorben.
- Adolf Brand: Herausgeber von Der Eigene (1896), als erstes schwules Magazin der Welt betrachtet.
- Lotte Hahm: Figur der Berliner lesbischen Szene, die bis 1940 Lesbenbälle veranstaltete und ihre Aktivitäten nach 1945 wieder aufnahm.
- Ruth Margarete Roellig: Autorin von Berlins lesbische Frauen (1928), einem Führer durch das lesbische Leben der Stadt.
- Ossi Gades: trans Künstler*in, ab 1930 im Eldorado in der Motzstraße aufgetreten.
- Leontine Sagan: Regisseurin von Mädchen in Uniform (1931), einem der ersten Filme, die Lesben positiv zeigen.
- Rosa von Praunheim: Filmemacher, dessen Film 1971 die Homosexuelle Aktion Westberlin ausgelöst hat.
Persönlichkeiten in Frankreich
- André Baudry: Gründer von Arcadie (1954), der ersten Homosexuellengruppe in Frankreich.
- Guy Hocquenghem und Françoise d’Eaubonne: Figuren des FHAR (1971); auch Daniel Guérin und Christine Delphy gehörten dazu.
- Jean Le Bitoux: Gründer des Magazins Gai Pied (1979).
- Act Up-Paris: das Kollektiv, das am 24. Juni 1989 das erste „Die-in“ des Marsches organisierte.
- André Labarrère: 1998 erster französischer Parlamentarier, der seine Homosexualität offenlegte.
- Noël Mamère: Bürgermeister von Bègles, traute 2004 die erste Ehe zwischen zwei Männern.
Wer fehlt? Orte, Frauen, trans Personen, deutsch-französische Persönlichkeiten: sagt es uns.
Quellen
Dieselben wie bei der Chronologie, dazu elf queere Orte in Berlin (Visit Berlin) und die englische Wikipedia-Seite „LGBT culture in Paris“ über eine archivierte Kopie.